Dienstag, 27. März 2018

Mukul's Photoshop


So sehr wir es auch verdrängt hatten, mussten wir es doch einsehen: unsere Zeit in Ashadeep wendete sich dem Ende zu. Um unseren bleibenden Eindruck hier zu materialisieren, entschlossen wir uns dazu, den hier ansässigen Pfarrern ein Kissen mit einem Foto von uns darauf zu schenken. Unauffällig hörten wir uns unter den Ortskundigen um, aber von allen Seiten hieß es: Nein, nein, so etwas könnt ihr in Nagina nicht kaufen. Ein wenig entmutigt machten wir uns trotzdem auf nach Nagina um zu schauen ob wir nicht wenigstens Tassen mit eigenem Aufdruck erwerben können. Doch in allen Fotoshops in denen wir nachfragten wurden wir abgewiesen. Schon mit hängenden Köpfen auf dem Heimweg fiel uns plötzlich ein Laden ins Auge: Mukul’s Photoshop. Wir betraten den vielversprechend erscheinenden Laden und wurden nicht enttäuscht. Alles was das Herz begehrt konnte man in diesem Laden mit Fotos bedruckte, darunter Tassen, Bettbezüge und auch Kissen. Wir versprachen in ein paar Tagen wieder zu kommen um unsere Abschiedsgeschenke in Auftrag zu geben. 

Das gestaltete sich leider als schwierig. Während und nach Holi gab es in Nagina Zusammenstöße zwischen muslimischen und hinduistischen Gruppen. Deshalb konnte nicht richtig Holi gefeiert werden und alle Läden blieben vorerst geschlossen. Uns war nicht klar, dass dies vier Tage nach Holi immer noch der Fall sein würde und so fuhren wir trotzdem nach Nagina. Fast gespenstisch erschien uns der sonst so volle Markt mit nur halb so vielen Menschen und nur halb so wenig offenen Läden. Bangend und hoffend bahnten wir uns unseren Weg Richtung Mukul’s Photoshop, doch unsere Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Mukul’s Photoshop war zu. Mit einem fetten Vorhängeschloss verriegelt. Doch zum Glück ließen wir den Kopf nicht hängen sondern hatten unsere Köpfe hoch erhoben, denn so sahen wir, dass auf dem Schild vor dem Shop eine Handynummer stand. Doch noch während wir wählten erkundigte sich ein Mann auf der Straße nach uns und nachdem wir ihm erklärten, dass wir dringend zu Mukul mussten, führte er uns um eine Straßenecke und rief Mukul aus seinem Haus. Und plötzlich saßen wir in Mukuls Wohnzimmer, tranken Chai mit seiner Frau und gaben unsere Geschenke in Auftrag. Und wir wurden nicht enttäuscht. 

Wenige Tage später saßen wir wieder in Mukuls Wohnzimmer, tranken Chai mit seiner Frau, machten Selfies und nahmen unsere Geschenke entgegen. Unser simples Kissen hatte sich zwar in ein flauschiges, rotes Herzkissen verwandelt, aber damit waren wir dann auch einverstanden. Typisch indisch kitschig halt. Dann wurden noch Nummern ausgetauscht und wir versprachen beim nächsten Naginabesuch auf jeden Fall vorbei zu kommen. Aber wann der sein wird…


Die feierliche Übergabe des Herzkissens


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