Mittwoch, 8. November 2017

Deutsch für Anfänger

Die Vorbereitung

Zwei Tage Büroarbeit sind nötig, um unser Deutschlandquiz und eine Präsentation über Deutschland zu erstellen. Dabei fällt uns auf: Was wissen wir schon über Deutschland? Also lernen auch wir noch kräftig dazu: unter Anderem über den Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund[1] (23%), dass die niedrigste gemessene Temperatur in Deutschland letztes Jahr -40,7°C betrug und dass 35% der Deutschen keiner Religion angehören, was in Indien undenkbar wäre. Nach dem theoretischen Teil verbringen wir Tag drei der Vorbereitung komplett in der Küche und obwohl wir früh morgens anfangen zu kochen, braucht ein Abendessen für über 20 Leute seine Zeit.  So müssen wir, als die ersten Gäste schon vor der Tür stehen, uns noch um den Vanillepudding kümmern. Aber wir schaffen alles… auf den letzten Drücker eben. Der Tag bot uns auch die Möglichkeit viel Zeit mit dem Küchenmädchen zu verbringen und wir erfahren einige Dinge über sie. Sie ist siebzehn und war bis zur fünften Klasse in der Schule, kann aber weder lesen noch schreiben. Sie musste anfangen zu arbeiten, weil ihre Mutter gestorben ist, ihre Arbeit hier mag sie aber nicht. Sie fragt uns, ob unser Haus in Uttar Pradesh oder im Nachbarstaat Uttarakhand liegt. Wir versuchen ihr zu erklären, dass Deutschland kein Teil von Indien ist.

Das Quiz

Dass auch viele weitere Gäste nicht viel von der Welt außerhalb Indiens wissen, wird bei der Beantwortung der Fragen schnell klar. Deutschland auf der Weltkarte zu markieren, bereitet Schwierigkeiten und so landet es mal in Südamerika, mal in Grönland, mal im Mittelmeer oder dem bottnischen Meerbusen. Leider können viele Lehrerinnen sehr wenig Englisch und verstehen die meisten Fragen nicht und/oder trauen sich nicht zu raten. Die Lehrerinnen, die am meisten Englisch können, haben demzufolge auch am meisten Fragen richtig. Außerdem fällt uns auf, dass die Pfarrer deutlich mehr wissen, auch wenn wir ihnen erneut erklären müssen, dass Heineken kein deutsches Bier ist.

Ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt und das wir unbedingt ansprechen wollten, ist der Zweite Weltkrieg. So wurden wir hier zum Beispiel schon gefragt, ob Hitler ein großartiger Mann gewesen sei und ob es in Deutschland denn kein Hitler-Denkmal gebe. Des Weiteren ist es für uns befremdlich, hier Läden zu sehen, die nach Hitler benannt sind. Und da wir quasi kein Nationalgefühl oder gar Nationalstolz haben, ist es auch ein bisschen irritierend, dass die Schulkinder jeden Morgen schwören, Indien zu lieben und die Nationalhymne singen.

Wir zeigen im Gegenzug Bilder vom Holocaust-Mahnmal in Berlin und heben hervor, dass auch Menschen mit Behinderung im Zweiten Weltkrieg umgebracht wurden. Trotzdem kommt die Aussage von einem Pfarrer: „Aber er war ein Anführer, das muss man ihm lassen.“ Immerhin unterstützt die Kanadierin, die gerade auch in Asha Deep ist, uns darin, ihn zu überzeugen, dass Hitler ein sehr schlechter Anführer und Tyrann war.

Das Essen

Nach der Preisverleihung, bei der unsere Gäste mit Raffaello belohnt werden, gibt es endlich deutsches Essen. Serviert werden Salat, Käsespätzle, Kartoffelpuffer mit Apfelmus und ein komplett improvisierter aber unglaublich leckerer Nachtisch aus gebratenem Obst mit Mandeln und Vanillepudding. Es wird eifrig zugeschlagen und zu unserer Erleichterung bekommen wir nur positives Feedback. Für das Weihnachtsessen sind wir nun schon fest in der Küche eingeplant. Natürlich freuen auch wir uns über deutsches Essen, besonders darüber, dass Nachtisch und Apfelmus übrig bleibt und wir zum Frühstück noch etwas haben.

Lasset die Spiele beginnen

Abschließend spielen wir noch ein paar Namensspiele und besondere Freude kommt auf, als neue Namen wie Madam Banana und Father Fish entstehen. Am nächsten Morgen sagt mir eine Nonne nochmal, wie schön der Abend war und dass sie vorher nichts über Deutschland wusste und nun einen kleinen Eindruck bekommen hat.  Das freut mich, denn das heißt, dass es nicht nur für uns ein lustiger und erfüllender Abend war.


Eine nette Runde






[1] Migrationshintergrund = mindestens ein Elternteil kommt nicht aus Deutschland

Sonntag, 5. November 2017

Die fetteste Halloweenparty 2017

Das normale Dienstagabendprogramm für die Kinder (Fernsehen) wurde am Dienstag den 31.10. ganz schön durcheinandergerüttelt. Schon Tage zuvor beginnen die Bastelarbeiten für ein Fest, das in Indien wenig bis gar nicht bekannt ist: Halloween. Die Kinder und wir sind fleißig am basteln und werkeln: Es müssen Lampions gefertigt, Geister und Girlanden für den extra Gruselfaktor hergestellt und Masken ausgeschnitten werden. Und am Wichtigsten natürlich: Kürbisse aushöhlen und schnitzen! Fröhlich tönt „Kadu[1], Kadu, PUMPKIN“ durch das Klassenzimmer und bei Schulschluss haben wir zwei wunderbar ausgehöhlte Kürbisse und jede Menge Material für eine Kürbissuppe. Das Gesichter schnitzen übernehmen wir aus Sicherheitsgründen selber. Dann geht es ans kochen und pürieren. Hier ein kleiner Tipp: niemals versuchen brühend heißes Gemüse im Mixi zu pürieren. Das hat die Küchenwand verschönert und mir die Brandblase meines Lebens verpasst. Immerhin ist die Suppe lecker. Kurz vor Beginn der Feier sind wir noch im Stress: Es müssen noch Bänder an unsere Masken gebunden, passende halloweenige Lieder rausgesucht und Süßigkeiten in die Luftballons gefüllt werden. Und plötzlich ist es viertel vor sieben und der Essenssaal ist noch nicht ansatzweise geschmückt. Panik breitet sich aus. Dankenswerterweise helfen uns die drei Lehrerinnen und um kurz nach sieben sind wir tatsächlich fertig. Aber wo sind denn alle? Die Lehrerinnen und Nonnen haben sich zu einer Besprechung zurückgezogen, die dritte Lehrerin schaut mit den Kindern fern. Und sie wollen einfach nicht kommen. Die Besprechung muss jetzt sein und die Lehrerin vor dem Fernseher sagt sie will nur noch fünf Minuten weiter schauen anstatt jetzt zu kommen. Dabei haben wir (aus Erfahrung handelnd) die Feier frühzeitig angekündigt und alle dreimal am Tag daran erinnert. Also nehmen wir die Sache in und die Kinder an die Hand und scheuchen sie in den Essenssaal. Die Kinder merken schnell, dass es sich gelohnt hat, den Fernseher hinter sich zu lassen. Sie lieben ihre selbstgemachten Kürbis- und Fledermausmasken, und auch die halbe Stunde einfach nur rumtanzen und rumhüpfen bereitet ihnen eine große Freude. Und das macht auch uns glücklich. Die Kürbissuppe kommt ebenfalls gut an und die Süßigkeiten-Luftballons platzen zu lassen, ist sowieso der Hit. Damit die Kinder nach der fetten Party ein bisschen runterkommen (und verstehen, warum wir uns den ganzen Abend so komisch verhalten haben) gibt es noch ein kleines Lied mit Video zu Halloween. Unser Ohrwurm für die nächsten Tage ist damit auch vorprogrammiert: „Knock, knock, trick or treat who are you? I am a Ghost, I’m a little Ghost...“




[1] Kadu = Kürbis in Hindi



Basteln, basteln, basteln
Wir gehen in die Geister-Massenproduktion


Der feierlich geschmückte Essenssaal

Hier sieht man auch die Winterklamotten der Kinder, es ist nämlich KALT bei uns!
Nicht nur die Kinder fanden die Masken super

Tausend Lichter in der Nacht



Knall! Krach! Feuerfunken! Rauch! Ein Feuerball fliegt knapp vor deiner Nase vorbei.
Wir befinden uns in Indien am 19. Oktober 2017. Doch was geschieht? Hier wird nicht etwa Silvester zwei Monate zu früh gefeiert, nein es handelt sich um Deepavali, das indische Lichterfest. Es ist eines der größten hinduistischen Festivals, und etwa so wichtig wie Weihnachten für Christen. Gefeiert wird, dass Rama, ein Hindu Gott, nach seinem Sieg über einen Dämon in seine Heimatstadt zurück kehrt. Um ihm den Weg zu leiten und ihn Willkommen zu heißen, werden überall Lichter angezündet.
In Süd Indien sieht man allerdings eine andere Legende hinter den Feierlichkeiten und sie finden einen Tag früher statt.

Ein paar von euch haben vielleicht schon von Diwali gehört und wundern sich warum ich von Deepavali schreibe. So ging es uns auch! Der eigentliche Name des Festes ist Deepavali, doch wenn man es schnell ausspricht, wird es zu Diwali und mittlerweile hat sich dieser Name auch durchgesetzt. Unsere christlichen Nonnen bleiben jedoch bei Deepavali, wie sie es früher in der Schule gelernt haben.

"Diwali mitten in der Pampa in einer christlichen Einrichtung, das kann ja lustig werden", war unser erster Gedanke. Deshalb erwähnten wir das Thema natürlich ohne Hintergedanken, ganz zufällig gegenüber einer netten Lehrerin. Wie es der Zufall so wollte lud sie uns für Diwali zu ihrer Familie ein.
Pläne setzten sich hier allerdings nicht immer in die Wirklichkeit um, und so befanden wir uns schick gemacht und mit Gastgeschenk in der Hand am Diwali Abend immer noch in Asha Deep. Wir hatten keine genaue Zeit ausgemacht und konnten die Lehrerin einfach nicht erreichten. Das hieß, wir blieben. Es stellte sich heraus, dass das Schicksal es doch nicht so böse mit uns meinte. Nach dem Rosenkranz beten im benachbarten Zentrum für schwer behinderte Kinder wurden ein paar Raketen angezündet.

Anschließend ging es zum Essen zurück nach Ascha Deep. Wir dachten schon das wäre alles, doch da hatten wir uns geirrt. Eine regelrechte Feuerschlacht wartete auf uns. Romantische Kerzen reichen den Indern nicht aus, man lässt es hier richtig krachen. In Delhi und anderen Distrikten wurden fortschrittlich Feuerwerksartikel zum Schutz der Umwelt verboten. Trotzdem waren wir Froh, dass es bei uns nicht so war. Hier ging es wie erwähnt richtig zur Sache. Die meisten Kinder waren zwar nach Hause gefahren aber ein paar Priester, Nonnen, Kinder und Familien der christlichen Wohnsiedlung und vom Gelände waren zusammengekommen. Es gab Riesenwunderkerzen, extrem laute Böller, Funkenbäume, Raketen und Feuerkreisel die wild durch die Gegend gekickt wurden. Alles mögliche flog durch die Luft und zwischendrin wuselten viele kleine Kinder mit Wunderkerzen.




Ich hatte Angst dass Haus und Haare in Flammen aufgehen und wir waren daran nicht ganz unschuldig. Aus Mangel an Teelichtern, hatten wir in unsere zuvor mit den Kindern in Feinstarbeit angefertigten Lampions, richtige Kerzen gesteckt, die nach einiger Zeit nicht erloschen, sondern die Lampions in brannt setzten. Als wir es satt hatten die Kinder von den Lampions fernzuhalten pusteten wir sie, nach dem wir reichlich Komplimente eingeheimst hatten, doch aus.

Um den Abend abzurunden gab es nach diesem Feuerspektakel noch leckeres Essen und später dekorierten wir auch unser Haus mit vielen Kerzen.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Süd Nord, Nord Süd

Vor ein paar Tagen habe ich zufällig den Blog von den vier indischen Freiwilligen gefunden, die gerade in Deutschland sind. Mit großem Interesse hab ich angefangen die Artikel zu lesen und fand es sehr lustig, wie sehr sich ihre Erlebnisse doch mit den meinen in Indien ähneln.

Aiswarya zum Beispiel schreibt darüber, wie geschockt sie am Anfang war, dass Deutsche nur Klopapier benutzen, sich jetzt aber damit abgefunden hat. Auf der anderen Seite gehen wir seit Wochen ohne Papier und nur mit Wasser aufs Klo, was für mich am Anfang auch undenkbar war.

Für Evelin, die ihren Freiwilligendienst in einem Kindergarten macht, war eines der ersten und trotzdem meistgebrauchten deutschen Wörter „Nein“, genauso wie wir am Anfang mit den Kindern hier nur durch „Bas“ (genug) und „Nahi“ (Nein) kommuniziert haben.

Shilpa, Aiswarya, Abilash und Evelin sind die zweite Generation indische Freiwillige, die mit dem Süd-Nord Programm von weltwärts und der Karl Kübel Stiftung nach Deutschland gekommen sind.

Das Süd-Nord Programm bietet jungen Menschen aus Ländern des globalen Südens die Möglichkeit einen Freiwilligendienst in Deutschland zu machen und soll damit die Gleichheit des globalen Nordens und Südens im weltwärts Programm fördern.

Der Blog der vier ist https://wefournomads.blogspot.com und ich kann ihn nur empfehlen. Es ist immer spannend, sein Land aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.


Sonntag, 29. Oktober 2017

Weg mit dem Müll

Wir sind am Waschen hinter unserem Haus. Plötzlich zieht ein Geruch nach Verbranntem in unsere Nasen. Wird da etwas gekocht? Gebacken? Nein warte, es ist eher ein beißender Geruch, der nach längerer Zeit überhaupt nicht mehr angenehm ist. Ein Blick zwei Meter nach rechts verrät uns, was genau da brennt: Müll. Der Müll der Kinder, der Müll der Nonnen, der Müll aus der Küche und auch unser Müll wird einfach in die Grube hinter unserem Haus geschmissen und gelegentlich angezündet.

Wir wollten unseren Müll natürlich nicht einfach hinters Haus schmeißen und fragten deshalb bei einem von unseren Pfarrern nach, was denn mit dem Müll passiert und ob wir ihn irgendwie anders entsorgen können. Die Antwort: Ja, eine Hausangestellte wird unseren Müll nachher abholen und wegbringen. Allerdings hieß wegbringen in dem Fall: Statt uns schmeißt sie den Abfall in die Grube. Und als wir dann auch noch einen Pfarrer seinen Müll einfach auf die Wiese schmeißen sahen, war uns klar, dass es keine Alternative gibt.

"Unsere" Müllgrube 



Und die Müllentsorgung hier in Asha Deep ist kein Einzelfall. Wenn wir die halbe Stunde in die nächste Stadt Nagina fahren, ist die Umweltverschmutzung  allgegenwärtig: Mit Müll gesäumte Straßenränder, Kanäle voller Plastik, gelegentliche Feuer und unglaublich stinkende Müllberge.
Müllentsorgungsplatz Nr.1 im Dorf: Der Kanal neben der Straße
Und auch in Nagina hat man den Eindruck, alles zu entsorgende wird schlicht auf den Boden geschmissen, seien es Bananenschalen, Bonbonpapierchen oder benutzte Becher. Und wenn wir auf dem Weg nach Hause verzweifelt nach einem Mülleimer suchen, wird uns gesagt, es sei kein Problem, unseren Becher einfach neben den Weg zu schmeißen. Wenn wir dann sagen: Nein, das wollen wir nicht, das ist schlecht für die Umwelt, kommt die Erklärung: Naja, in Deutschland ist das vielleicht ein Problem, aber hier in Indien darf man das.  Ein weiteres Beispiel: wir sind mit einem Pfarrer und einem Fahrer im Auto und essen Eis. Die beiden Inder werfen ihre Verpackung aus dem Fenster, wir behalten sie noch eine Stunde in der Hand, bis wir am Zielort endlich einen Mülleimer gefunden haben.

Willkommen in der Stadt

Aufruf zur Sauberhaltung Naginas

Leider liegt das direkt daneben

Und noch ein Beispiel: Bei uns an der Schule kommen die meisten LehrerInnen nicht mit einer Tasche in die Schule, sondern schlicht mit einer Plastiktüte. Die wird benutzt, bis sie auseinander fällt, dann kommt die nächste Tüte. Deshalb wollten wir mit den Lehrerinnen, die ebenfalls hier wohnen Stofftaschen nähen, was wir für die ästhetischere und nachhaltigere Version halten. Die Lehrerinnen jedoch zeigten kein Interesse, dafür aber Unverständnis: „Why? Plastic is so beautiful, no? Yours looks like a vegetable bag!“. Darauf antworteten wir mit einem entschiedenen „NO!“.  Also meinte diese Lehrerin, sie wird sich uns zu Liebe eine Tasche nähen. Darauf aber wir wieder „NO!“. Wenn diese Taschen nur um uns einen Gefallen zu tun genäht und dann nicht benutzt werden, können wir uns den Aufwand auch sparen. Aber ich werde weiterhin konsequent mit meiner Tasche aus schön gemustertem Stoff ins Lehrerzimmer gehen und sie weiterhin mit Sprüchen wie „Oh, wow guck mal wie schön diese STOFFtasche ist!“ oder „Diese Tasche benutze ich schon seit einem Jahr und sie hält immer noch!“ bewerben.

Und eine positive Nachricht zum Schluss: Natürlich gibt es auch Versuche der Verschmutzung entgegenzusteuern, zum Beispiel ist in Delhi die Benutzung von Plastiktüten verboten und Verstöße werden mit hohen Geldbußen  oder Freiheitsentzug  bestraft. Außerdem wurde 2014 die Aktion Swachh Bharat Abhiyan ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, Indiens Straßen sauberer zu machen. Und jedes Jahr am Geburtstag Mahatma Ghandis, wird an Arbeits- und Wohnort eine Putzaktion gestartet.


Aber ich persönlich habe das Gefühl, die meisten Leute hier in meinem direkten Umfeld haben kein Gefühl dafür, was für langwierige Folgen es hat, seinen Müll einfach in die Natur zu schmeißen und anzuzünden. Es fehlen auch einfach die Möglichkeiten, seinen Müll hier geordnet zu entsorgen. Und es ist schade zu sehen, dass die Verschmutzung manchmal so präsent ist, dass die eigentlich so schöne Natur untergeht.

:(

Bis jetzt haben wir in Nagina keinen einzigen Mülleimer gesichtet


Samstag, 28. Oktober 2017

Schau mal! Ein Alien!


Man Zeigt nicht mit dem Finger auf fremde Leute! Das nehmen sich hier viele eher nicht zu Herzen. Getuschel, Gekicher, Angestupse, und Zurufe sind hier übliche Reaktionen, wenn wir zwei Aliens auf der Straße erblickt werden. Aliens sprechen kein Hindi, dieses Wissen scheint weit verbreitet zu sein, deshalb werden alle möglichen anderen Leute über die Aliens ausgefragt oder die Konversation mit Brocken aus Englisch versucht. Diese sind meistens jedoch nicht mehr als, „Hello, how are you?“ oder „Selfie please!“. Mich würde es ja auch sehr interessieren, wenn Aliens in meine Stadt kämen! In kleinen Dörfern ist man besonders erstaunt, über diesen außergewöhnlichen Besuch. Es bilden sich Trauben von Schaulustigen, die die Aliens auf Schritt und Tritt verfolgen. Was macht ein Alien so? Wie verhält es sich? Woher kommt es? Diese Fragen sollten geklärt werden, bevor sie wieder auf ihren fernen Planeten zurückkehren. Und diese Untersuchung wird hier wirklich sehr ernst genommen.
Auch kann ja nicht jeder behaupten, dass einen Alien in seinem Haus war, da müssen dann auch hohe Geschütze aufgefahren werden. So ein Alien sollte sich ja umsorgt und willkommen auf der Erde fühlen.
Hast du schon mal einem Alien Hallo gesagt? Oder sogar die Hand geschüttelt? Vielleicht auch ein Foto mit einem Alien gemacht? Ich nicht, aber wenn ich es hätte würde ich es bestimmt auch allen meinen Freunden erzählen und ihnen das Alien zeigen. So etwas erlebt man nicht jeden Tag.

Aber hat sich schon mal jemand überlegt wie sich das Alien fühlt, wenn es ständig von vielen dunklen Augenpaaren beobachtet wird, oder ein Riesenaufruhr gemacht wird, wenn es mit einem seiner sechs Arme jemanden zu winkt. Man darf sich in so einer Situation keinen Fehler erlauben. Man steht ja auch stellvertretend für die vielen anderen Aliens draußen im Weltall, die sicherlich nicht als Nasebohrende Nation abgestempelt werden wollen.

Doch der Haken ist, wir sind gar keine Aliens! Wir werden aber oft wie welche behandelt. Wir haben lediglich ein bisschen hellere Haut und Haare und keine 4 Augen und 6 Arme. Wir sehen zwar etwas anders aus, aber irgendwann muss es doch auch langweilig werden, wenn 2 Weiße einfach nur durchs Dorf laufen.
Natürlich ist es hier auch der Brauch Gäste feierlich zu begrüßen und es könnte ja auch nicht nur an der Hautfarbe liegen. Aber spätestens wenn einem stolz ein Baby mit besonders heller Haut präsentiert wird, kann man das wohl ausschließen. Wir wissen, dass niemand es böse meint, trotzdem fühlt man sich unangenehm, wenn man das Dorfgespräch ist, eine Extrabehandlung bekommt, und durchgehend ausgiebig studiert und beobachtet wird.

Anmerkung:
Dieser Artikel wurde geschrieben, nachdem wir eine Alienerfahrung in einem naheliegenden Dorf hatten und uns dort in unserer Haut wirklich nicht wohlfühlten. Mann sollte allerdings erwähnen, dass wir mittlerweile auch viele Menschen kennengelernt haben, die sich nicht weil wir Weiße sind sondern auch tiefgründiger für uns interessieren.

Zum Schluss noch ein lustiges Wimmel-Suchbild:
Wir haben zwei kleine Aliens versteckt!
Gefühl
Realität


Donnerstag, 12. Oktober 2017

Zeit für neue Sünden


Ein Tag voller Erlebnisse!
Während der Schulferien haben wir einen Tagestrip nach Rishikesh und Haridwar unternommen. Da nur wenig Zeit war wurden wir von einem unserer Driver hin und zurück kutschiert. Früh morgens ging es los. Wir hatten uns für die 3-4 stündige Fahrt mit einem Harry Potter Hörspiel ausgestattet und uns davor über Sehenswürdigkeiten informiert. Wir fanden einen Geheimtipp über Wasserfälle, verborgen in den tropischen Wäldern um Rishikesh. Als wir jedoch nach der Wegbeschreibung zum Neer Garh Waterfall schauten, und wir sahen das man direkt bei der Neer Garh Waterfall Bushaltestelle in die Neer Garh Waterfall Straße einbiegen muss, wurde uns schnell klar, dass der Geheimtipp gar nicht so geheim ist. Trotzdem wollten wir uns den Wasserfall nicht entgehen lassen. Es stellte sich heraus das die Neer Garh Waterfall Straße auch nur eine winzige Schotterpiste ist auf der wir eine knappe halbe Stunde wegen Erdrutschgefahr auf die Weiterfahrt warten mussten. Eine Serpentine weiter oben sahen wir dann einen Bagger Erdhügel von der Straße den Abhang runter schieben. Endlich am Ziel waren wir etwas enttäuscht von der Größe des Wasserfalls, für den wir immerhin umgerechnet ca. 40 ct bezahlt hatten. Schließlich fanden wir jedoch etwas weiter oben noch eine Stelle zum Baden ganz für uns allein und hüpften samt Kleidern ins Wasser.

 
Pitschnass und glücklich stiegen wir wieder ins Auto und machten uns auf den Weg zur Laxman Jhula, eine Hängebrücke im Herzen Rishikeshs.

Auf der Laxman Jhula

Das erste was uns auffiel waren die vielen Weißen um uns herum die geschätzt 15-20 % der Menschen ausmachten. Sie waren allesamt hippimäßig angehaucht und liefen zu unserem Schreck zum Teil auch mit kurzer Hose und bauchfrei durch die Gassen. Wir hatten unseren Spaß sie alle nach Kleidern und Aussehen in Deutsche oder Amerikaner einzuteilen.
Menschen von aller Welt kommen nach Rishikesh um hier, wie auch schon die Beatles, in Ashrams ihre spirituelle Seite aufleben zu lassen. Dementsprechend waren auch die Läden mit einer Vielzahl an Waren von überall her ausgestattet. Besonders die bunt bestickten Kleider, Schuhe und Schals zogen unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wir fanden auch eine German Bakery, in der wir uns italienische Pizza und Lasagne bestellten.


Nach weiterem erkunden der Stadt sahen wir auch noch mindestens 5 weitere German Bakerys und holten uns noch einen guten deutschen Apfelkuchen.

lecker schmecker!
Trotz westlicher Atmosphäre war zum Beispiel durch die Kühe und Affen auf der Brücke Indien immer allgegenwärtig.

Tempel, Kühe, Affen und eine Brücke in Indien Farben
Als Kontrastprogramm nahmen wir dann noch ein spirituelles Bad im Ganges, dass einen von allen Sünden reinwaschen soll. Wir fühlten uns jedenfalls sehr frisch nach dem Bad im eiskalten Wasser. Unser Mentor Fr. Francis meinte als wir zurück kamen, dass wir ja nun endlich wieder neue Sünden begehen könnten.

Zum Abschluss unseres Ausflugs schauten wir noch die abendliche Arti-Zeremonie in Haridwar an, bei der kleine Lichter auf Blättern in den Ganges gesetzt werden. Hier waren deutlich weniger Touristen aber umso mehr Müll im Ganges. Trotzdem war es sehr schön und besonders als überall um uns herum Fackeln erleuchteten und gemeinsam gesungen wurde.

Gespannt auf die bei Dämmerung einsetzende Arti-Zeremonie
Bevor Milena nein sagen konnte wurde ihr auch ein Bindi von einem kleinen Mädchen aufgemalt und anschließend hundert Rupien verlangt. Bockig gab sie sich jedoch schließlich mit 10 Rupien zufrieden. 
Auf der Rückfahrt mussten wir erst mal die vielen Eindrücke dieses Tages verarbeiten, natürlich beim Harry Potter hören, und freuten uns schon auf unsere kuscheligen, harten Betten.