Samstag, 27. Januar 2018

Der Rock

Am 24.09.2017, also noch relativ am Anfang von unserem Freiwilligendienst, machten wir uns auf den Weg nach Delhi. Ja, an diesem Tag war die Bundestagswahl und dies war auch der Grund warum wir nach Delhi sind, aber es ist noch etwas viel wichtigeres an diesem Tag passiert: Wir waren shoppen. Auf einem großen Künstlermarkt gab es alles was unser Herz begehrte. Wie wir bereits berichteten, waren wir im Himmel inmitten all dieser wunderschönen Sachen.  Ich kaufte mir an diesem Nachmittag unter Anderem einen schönen gemusterten Rock und war sehr glücklich damit.

Ich, glücklich mit neuem Rock vor dem India Gate

Zwei Wochen später: Wir machen an einem freien Tag einen Ausflug nach Rishikesh. Manch einer kennt diesen Ort vielleicht als den Ort an dem der Ganges das Himalaya verlässt oder in dem die Beatles einst meditierten, jedenfalls ist Rishikesh inzwischen sehr sehr touristisch und es gibt mindestens doppelt so viele Läden wie Ashrams. Und als wir so durch die Straßen schlendern, was sehe ich da: meinen Rock! In einer Vielzahl von Farben und auch noch billiger als ich ihn in Delhi gekauft habe! Sauerei. Da dachte ich, ich hätte mir einen besonderen Rock ausgesucht und nun gibt es ihn hier in Massenware.

Eineinhalb Monate später: Nach dem Zwischenseminar machen wir Urlaub in Kerala. Im Strandort Varkala hat sich die Strandpromenade eher in eine Shoppingpromenade verwandelt. Und auch hier wird der Rock angepriesen. Und nicht nur Röcke werden hier zahlreich angeboten, nein, es gibt auch Hosen, Overalls, etc in genau diesem Muster. So langsam scheint es mir, als gäbe es einen Zusammenhang zwischen Rock und Touristenaufkommen vor Ort. Aber das ist nur so eine Vermutung.

Zwei Monate später: Die zweite Hälfte unserer Urlaubstage verbringen wir in Rajasthan. In den Städten Jaipur, Pushkar und Jodhpur gibt es nicht nur beeindruckende Festungen und Tempel, es gibt auch viele Touristen und dementsprechend auch viele Läden. Inzwischen muss ich mich auch nicht mehr wundern, dass fast überall MEIN Rock verkauft wird. In jeder Stadt in der ich den Rock erblicke hole ich den meinigen nicht aus dem Rucksack. Es ist mir peinlich damit rumzulaufen. Ich will nicht, dass jemand denkt, ich hätte ihn hier gekauft um ihn dann nach meinem „India in 10 days“ Urlaub zuhause als typisch indisch anzupreisen.


In  unserem Projekt dagegen ziehe ich den Rock sehr gerne an, einfach, weil er schön ist und ich mir denken kann: Ach wie gut, dass niemand weiß, in ganz Indien gibt’s den Scheiß…

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