Mittwoch, 20. Dezember 2017

Da wo der Pfeffer wächst

Nachdem uns etliche Male von allen Nonnen und Pfarrern von Kerala vorgeschwärmt wurde, packen wir im November unsere Sachen und begeben uns auf den Weg ins Land wo der Pfeffer wächst.

Unsere Reiseroute durch Kerala
Unsere Reise beginnt mit dem Zug von Coimbatore nach Cochin, vorbei an saftig grünen Reisfeldern und Kokospalmen.








Wir bleiben 2 Tage in der wunderschönen jedoch sehr verfallen alten Hafenstadt, die früher das Zentrum des indischen Gewürzhandels war.
Hier erschnuppern wir die erste Meeresbrise, und erliegen dem altem Charme der Stadt.



Außerdem werden wir Zeugen einer indisch-russischen Hochzeit, bei der wir zufällig reinplatzen.


Auch folgen wir dem Tipp unsres Reiseführers und gehen in die Abendvorstellung des dortigen Katakali-Centers. 
Wir konnten ja nicht ahnen, dass es sich ausgerechnet bei unser Vorstellung gar nicht um Katakali*, sondern um eine Sammlung verschiedener indischer Tänze handelte.
Fährkosten: ca 1 Cent für 2 Pers.

Mit der Fähre und dem Bus geht es weiter nach Kumily wo sich der Eingang zu dem bekannten Periyar Nationalpark befindet.

Dort übernachten wir im Projekt von Theresia und Simon, zwei Mitfreiwilligen, und genießen die Zeit mit ihnen...und etwas Alkohol. Den berühmten Nationalparks sehen wir, wegen schlechter Absprachen leider nur von außen. Doch alle Sorgen sind wie weggeblasen als wir bei voller Fahrt im Jeep aufstehen und der Wind durch Haut und Haare strömt.



 
Unsere Nächste Etappe ist Munnar, die Stadt des Teeanbaus. Paradiesische Teeberge erstrecken sich hier so weit das Auge reicht. Zwischen drin sieht man strahlend blaue Häuschen mit bunter Wäsche und exotischen Blumen, die in allen Farben scheinen.
Hier baden wir unter einem Wasserfall und entzücken uns an dieser atemberaubenden Kulisse.

es grünt so grün wenn die Blumen blühen


 
Von Munnar geht unsere Reise nach Kumarakom, eine kleine Stadt an den berühmten Backwaters, riesige Netze von Wasserstraßen die sich durch große Teile Keralas ziehen.
Hier machen wir eine Bootstour auf den kleinen Kanälen und beobachten das Dorfleben. Wir sehen wie Leute im Fluss ihre Wäsche waschen sich baden oder einen Fisch ausnehmen. Natürlich können wir auch nicht widerstehen ins Wasser zu hüpfen.



Weiter geht‘s in ein kleines Dorf namens Kulathupuzha.**
 Hier geht das Gewirr von Missverständnissen und schlechten Absprachen weiter und gipfelt schließlich darin, dass wir mitten in der Nacht, mitten im nirgendwo in einer Rikscha sitzen und nicht wissen wo wir schlafen sollen.
Doch da hier alle Pfarrer und Nonnen in gefühlt ganz Indien vernetzt sind, kommen wir spontan bei drei gastfreundlichen Nonnen unter. Die Highlights hier sind das erneute besichtigen eines Wasserfalles, eines riesigen Damms und das Kennenlernen eines sehr netten Pfarrers der uns in zahlreichen Städten Indiens seine Connections weitergibt.

Aussicht vom Damm
Wir und der nette Pfarrer vor dem fast verdeckten Wasserfall
Außerdem bekommen wir eine gratis Malalayamstunde von einem fremden Mädchen als wir bei der Abfahrt wieder zwei Stunden auf unseren Bus warten müssen.

Nächster Stopp: Varkala, die Stadt mit dem roten Klippenstrand.
Hier findet unser Badeerlebnis seinen Höhepunkt. Wir lassen uns stundenlang im Meer treiben, springen durch die Fluten und flanieren die Strandpromenade mit ihren tausend Lädchen und Cafés entlang.

Unser Strand fast vor der Tür, zwar mit weniger roten Klippen aber auch weniger Leuten

Unsere Reise endet in Thiruvanthapuram***, der Hauptstadt Keralas. Nach dem unsere geplante Stadttour ins Wasser fällt, erkunden wir die Stadt auf eigene Faust, besichtigen Museen und Tempel und frieren uns im Kino bei Murder on the Orient Express  den Arsch ab, während es draußen um die 30 Grad hat.

Da wir keine Hindus sind konnten wir diesen Tempel leider nur von außen bestaunen

Ein Tagesausflug zu dem bekanntesten Strand Keralas in Kovalam durfte in unserem Badeurlaub natürlich auch nicht fehlen. Der Strand strahlte in unseren Augen zwar eher eine verborgene Schönheit aus aber wir verbrachten unglaubliche Stunden mit unseren Bodyboards auf den Schaumkronen der Wellen.

Wir hatten den Strand wegen des schlechten Wetters fast für uns alleine und blieben während den Regenschauern einfach im Wasser



*Katakali ist eine besondere Tanzform in Kerala die die sich besonders durch die bunte Bemalung der Gesichter und aufwändigen Kostüme auszeichnet

**Das zh im Namen wird hier wie eine Mischung aus R und L ausgesprochen

***Wir haben ewig gebraucht um uns diesen Namen zu merken

Dienstag, 12. Dezember 2017

Das Sischenzweminar

Wir packen unsere Koffer (Rucksäcke) und nehmen mit: Bilder und Erzählungen aus dreieinhalb Monaten Freiwilligendienst, Bikinis und Vorfreude auf die anderen Freiwilligen und Malathi. Alles klar, unter 15 Kilo und auf in den Flieger zum Zwischenseminar.

In Coimbatore angekommen ist schon die Fahrt vom Flughafen zum KKID (Karl Kübel Institute for Development Education) sehr lustig. Da unser Flug eine Stunde Verspätung hatte, muss der Fahrer vom KKID rumtelefonieren, damit jemand anders die nächsten Freiwilligen vom Busbahnhof abholt. Prompt wird er von der Polizei angehalten und muss 1000 Rupien Strafe fürs Telefonieren am Steuer bezahlen. Kaum fahren wir wieder los, greift er erneut zum Handy und muss gefühlt 50 Leuten erzählen was gerade passiert ist. Den krönenden Abschluss bildet ein Anruf seiner Frau die ihn anschnauzt, was ihm überhaupt einfällt sonntags zu arbeiten und WIE BITTE 1000 Rupien Strafe?? Wir verbringen die Fahrt, wie wir alle Autofahrten verbringen: wir singen. Anstelle des gewohnten duldenden Stillschweigens bekommen wir mit „Supersingers!“ endlich auch mal eine positive Rückmeldung statt genervten Blicken.

Angekommen im KKID treffen wir auf die bereits angekommenen Freiwilligen, nicht Malathi, dafür auf Kirsten und Andrea, unsere deutschen Koordinatorinnen, und verbringen den restlichen Abend mit zusammensitzen und Kekse essen.

Die nächsten Tage sind eine bunte Mischung aus Erfahrungsberichten, beratenden Gesprächen, leckerem Essen, Diskussionen über entwicklungspolitische Themen, viel Tee trinken, neue Ideen sammeln und einfach viel Zeit miteinander zu verbringen.


Höchst konzentriert

Nach der Entspannungsphase kamen dann die nasalen Laute

Menschen stapeln, nichts leichter als das!

Und, wer kann alle meine Kinne auf diesem Bild zählen?


Den krönenden Abschluss bildet ein Festessen bei Pizza Hut, bei dem wir, vorsichtig ausgedrückt, ganz schön zuschlagen.




(alkoholfreie) COCKTAILS!
NUDELN!


und dieser Nachtisch...

Und dann packen wir wieder unsere Koffer (Rucksäcke) und nehmen mit: viele neue Ideen, ein erfülltes Gefühl, einen extra aus Deutschland eingelieferten Schokoadventskalender und eine extra aus Hyderabad mitgebrachte Erdnussbutter.

einfach schön hier
Malathi <3 Chai <3
<3






Donnerstag, 9. November 2017

Bob der Bastler

Was wir neben Hindi lernen, Kompetenztraining für die Kindergartenkindern anleiten, lustigen Spielchen spielen, Singen und Tanzen alles hergestellt haben:
  1. Eine wunderschöne Wandbemalung mit Lerninhalt vor dem Schultor
    Es hat sehr Spaß gemacht zu malen und das Motiv zu entwerfen. Wir haben mindestens 3 Tage daran gearbeitet, da man doch immer noch eine Stelle zum ausbessern findet. Außerdem konnten wir zum Schulanfang und -ende und während der Pausen nicht malen, da wir ohnehin ständig stumme Beobachter hatten. Wir waren von dem Endergebnis schließlich selbst positiv überrascht, nachdem wir alle Farbflecken wieder übermalt hatten.

  2. Viele Pyramiden und 2er-Akrobatik Tricks
    Die Kinder lieben es auf uns herumzuturnen. Doch irgendwann wird es anstrengend den Scharen von Kindern gerecht zu werden und mit allen 10 mal hintereinander den gleichen Trick zu machen. Deshalb sind wir auf die schlaue Idee gekommen, ihnen Tricks untereinander beizubringen. Natürlich sind wir nicht ganz aus dem Schneider, doch die Kids stapeln sich von Tag zu Tag höher. Vier mal die Woche bringen wir der neunten Klasse Akrobatik oder jonglieren bei, während der Spielzeit werden kleine Tricks mit allen möglichen Kindern einstudiert und in den Abendstunden geht es mit unseren oder den Taubstummen Kindern weiter.


                                                                            
  3. Lampions aus Luftballons, Papier und Kleister
    Die Lampions haben wir mit unseren Kindern gemacht. Auch wenn am Ende überall Kleister und Farbe war, hat sich die Arbeit und das ausgiebige putzen danach gelohnt, denn das Resultat kann sich sehen lassen und die Kinder hatten wirklich Spaß. Die Lampions kamen auch schon mehrfach zum Einsatz. Die erste Generation an Diwali und die nicht abgefackelten mit der nächste Fuhre an Halloween. Wir haben mittlerweile über 20. Sie bringen eine sehr schöne Stimmung und sind wenn man Teelichter und keine richtigen Kerzen verwendet auch gar nicht so gefährlich.

  4. Unsere geniale Halloween-Deko
    Fledermaus und Kürbis Girlanden, passende Masken und gruselige Servietten-Geister wurden von unseren Kindern angefertigt. Und natürlich unsere kunstvollen Kürbisgeister. Außerdem haben wir in weißen Geisterballons mit Gruselgesichtern Süßigkeiten versteckt. Diese platzen zu lassen war der größte Hit des Abends.
    Genaueres kann man, mit schönen Bildern geschmückt, im Halloweenartikel nachlesen.

  5. Bunte Jonglierbälle
    Da wir keine Jonglierbälle hatten, haben wir mit unserer 9. Klasse aus Reis und Luftballons selbst welche gezaubert. Sie waren auch zum Spielen sehr begehrt aber wurden mit der Zeit immer weniger, da einige geklaut wurden oder kaputt gingen. Deshalb haben wir mit den Taubstummen Kindern eine erneute Produktion gestartet.


  6. Der Geburtstagskalender
    Eine Dauerwerkstadt. Da viele unserer Kinder ihren Geburtstag nicht kennen und es lieben sich auf Bildern zu sehen, haben wir uns überlegt einen Geburtstagskalender mit Fotos von uns und den Kindern für sie zu basteln. Wir stießen allerdings auf ein Problem. Von ein Paar Kindern sind die Geburtsdaten nicht bekannt da sie Waise sind und alleine auf der Straße gefunden wurden. Nun haben wir die Geburtstage der Kinder bestimmt.

            

  7. Traumhafte Traumfänger
    Zusammen mit 2 unserer Kinder und einigen taubstummen Kindern haben wir in den Schulferien Traumfänger gebastelt und sie mit Perlen und Federn verziert. Als wir am morgen Federn im Hühnerstall sammeln wollten, haben wir es geschafft die Hälfte der Hühner freizulassen und mussten zusammen mit ein paar Jungs sie wieder hinein treiben.

                                                                   
  8. Papiersterne in allen Formen und Farben                                                                                Dies war auch eines unserer größten Bastelprojekte, indem wir immer besser wurden und wirklich schöne Sterne mit vielen verschiedenen Kindern hervorbrachten. Den beiden UKG Klassen wurden zum ersten mal Scheren in die Hand gedrückt und die erste Klasse konnte auch individuelle Papiersterne vorzeigen. Auch mit unseren Kinder wurden kleine Kunstwerke geschaffen. Die Kinder waren mächtig stolz auf ihr Werk. Am Ende wurde alles an die Wand gehängt, wo sie jedoch nicht lange blieben, da sie den Schwestern und Lehrerinnen nicht als schön genug erschienen. Das können wir immer noch nicht nachvollziehen. Damit dies nicht nochmal geschieht, durften die Kinder als wir sie kürzlich in der Schule nochmal gebastelt haben ihre Sterne alle mit mit nach Hause nehmen, nachdem sie beim zweiten Anlauf gelungen waren. Zuvor war uns ein Fehler bei der Anleitung unterlaufen und auf einmal stand die Klasse mit unförmigen Papierschnipseln da.                                                                                                    

  9. Armbänder, von Kordeln bis zu komplizierter Knüpfkunst
    Auch schon tausend mal gemacht und immer noch der Renner. Nicht nur die Kinder sondern auch die Lehrerinnen sind fleißig am knüpfen und wollen immer mehr Muster lernen
      
     


  10. Magic Matchboxes                                                                                                                  Eine tolle Apparatur, die wir mit einigen Kindern aus dem Taubstummenhaus gebastelt haben. Wenn man an der unteren Schnur zieht, geht die untere, und wenn man an der oberen zieht, die obere Schachtel wie von Zauberhand auf.                                                                                                                          
  11. Flaschentasche und Kapuzenschal
    Auch für uns wird fleißig gewerkelt. Nach einer tollen und sehr praktischen Flaschentasche ist gerade ein kuscheliger Kapuzenschal in Arbeit. Aber bis der fertig ist, kann es noch lange dauern..


  12. Sonias Socken
    Auch eine Nonne und eine Lehrerin hier sind sehr interessiert am stricken und Häkeln lernen. Bei dem Versuch eine Flaschentasche zu machen, können dann aber auch mal zwei stylische Socken herauskommen.


13. Asha Deep Film
      Wenn wir noch Zeit finden sind wir fleißig am zusammenstellen und  -schneiden von Videomaterial für einen Film über die Schule.

Fußnote 1:
Eines unserer Ziele mit diesem Bastel-Marathon ist es, in die Materialmappe für die nächsten Freiwilligen aufgenommen zu werden.

Fußnote 2:
Mit „unseren Kindern“ sind die als geistig behindert bezeichneten Kinder gemeint in deren Hostel wir leben.

Fußnote 3:
Milena ist auch unter dem Namen Bob bekannt. 

Fußnote 4:
Ich bastle aber auch gerne und viel

Fußnote 5:
Es gibt zu viele Fußnoten in diesem Artikel


Mittwoch, 8. November 2017

Deutsch für Anfänger

Die Vorbereitung

Zwei Tage Büroarbeit sind nötig, um unser Deutschlandquiz und eine Präsentation über Deutschland zu erstellen. Dabei fällt uns auf: Was wissen wir schon über Deutschland? Also lernen auch wir noch kräftig dazu: unter Anderem über den Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund[1] (23%), dass die niedrigste gemessene Temperatur in Deutschland letztes Jahr -40,7°C betrug und dass 35% der Deutschen keiner Religion angehören, was in Indien undenkbar wäre. Nach dem theoretischen Teil verbringen wir Tag drei der Vorbereitung komplett in der Küche und obwohl wir früh morgens anfangen zu kochen, braucht ein Abendessen für über 20 Leute seine Zeit.  So müssen wir, als die ersten Gäste schon vor der Tür stehen, uns noch um den Vanillepudding kümmern. Aber wir schaffen alles… auf den letzten Drücker eben. Der Tag bot uns auch die Möglichkeit viel Zeit mit dem Küchenmädchen zu verbringen und wir erfahren einige Dinge über sie. Sie ist siebzehn und war bis zur fünften Klasse in der Schule, kann aber weder lesen noch schreiben. Sie musste anfangen zu arbeiten, weil ihre Mutter gestorben ist, ihre Arbeit hier mag sie aber nicht. Sie fragt uns, ob unser Haus in Uttar Pradesh oder im Nachbarstaat Uttarakhand liegt. Wir versuchen ihr zu erklären, dass Deutschland kein Teil von Indien ist.

Das Quiz

Dass auch viele weitere Gäste nicht viel von der Welt außerhalb Indiens wissen, wird bei der Beantwortung der Fragen schnell klar. Deutschland auf der Weltkarte zu markieren, bereitet Schwierigkeiten und so landet es mal in Südamerika, mal in Grönland, mal im Mittelmeer oder dem bottnischen Meerbusen. Leider können viele Lehrerinnen sehr wenig Englisch und verstehen die meisten Fragen nicht und/oder trauen sich nicht zu raten. Die Lehrerinnen, die am meisten Englisch können, haben demzufolge auch am meisten Fragen richtig. Außerdem fällt uns auf, dass die Pfarrer deutlich mehr wissen, auch wenn wir ihnen erneut erklären müssen, dass Heineken kein deutsches Bier ist.

Ein Thema, das uns sehr am Herzen liegt und das wir unbedingt ansprechen wollten, ist der Zweite Weltkrieg. So wurden wir hier zum Beispiel schon gefragt, ob Hitler ein großartiger Mann gewesen sei und ob es in Deutschland denn kein Hitler-Denkmal gebe. Des Weiteren ist es für uns befremdlich, hier Läden zu sehen, die nach Hitler benannt sind. Und da wir quasi kein Nationalgefühl oder gar Nationalstolz haben, ist es auch ein bisschen irritierend, dass die Schulkinder jeden Morgen schwören, Indien zu lieben und die Nationalhymne singen.

Wir zeigen im Gegenzug Bilder vom Holocaust-Mahnmal in Berlin und heben hervor, dass auch Menschen mit Behinderung im Zweiten Weltkrieg umgebracht wurden. Trotzdem kommt die Aussage von einem Pfarrer: „Aber er war ein Anführer, das muss man ihm lassen.“ Immerhin unterstützt die Kanadierin, die gerade auch in Asha Deep ist, uns darin, ihn zu überzeugen, dass Hitler ein sehr schlechter Anführer und Tyrann war.

Das Essen

Nach der Preisverleihung, bei der unsere Gäste mit Raffaello belohnt werden, gibt es endlich deutsches Essen. Serviert werden Salat, Käsespätzle, Kartoffelpuffer mit Apfelmus und ein komplett improvisierter aber unglaublich leckerer Nachtisch aus gebratenem Obst mit Mandeln und Vanillepudding. Es wird eifrig zugeschlagen und zu unserer Erleichterung bekommen wir nur positives Feedback. Für das Weihnachtsessen sind wir nun schon fest in der Küche eingeplant. Natürlich freuen auch wir uns über deutsches Essen, besonders darüber, dass Nachtisch und Apfelmus übrig bleibt und wir zum Frühstück noch etwas haben.

Lasset die Spiele beginnen

Abschließend spielen wir noch ein paar Namensspiele und besondere Freude kommt auf, als neue Namen wie Madam Banana und Father Fish entstehen. Am nächsten Morgen sagt mir eine Nonne nochmal, wie schön der Abend war und dass sie vorher nichts über Deutschland wusste und nun einen kleinen Eindruck bekommen hat.  Das freut mich, denn das heißt, dass es nicht nur für uns ein lustiger und erfüllender Abend war.


Eine nette Runde






[1] Migrationshintergrund = mindestens ein Elternteil kommt nicht aus Deutschland

Sonntag, 5. November 2017

Die fetteste Halloweenparty 2017

Das normale Dienstagabendprogramm für die Kinder (Fernsehen) wurde am Dienstag den 31.10. ganz schön durcheinandergerüttelt. Schon Tage zuvor beginnen die Bastelarbeiten für ein Fest, das in Indien wenig bis gar nicht bekannt ist: Halloween. Die Kinder und wir sind fleißig am basteln und werkeln: Es müssen Lampions gefertigt, Geister und Girlanden für den extra Gruselfaktor hergestellt und Masken ausgeschnitten werden. Und am Wichtigsten natürlich: Kürbisse aushöhlen und schnitzen! Fröhlich tönt „Kadu[1], Kadu, PUMPKIN“ durch das Klassenzimmer und bei Schulschluss haben wir zwei wunderbar ausgehöhlte Kürbisse und jede Menge Material für eine Kürbissuppe. Das Gesichter schnitzen übernehmen wir aus Sicherheitsgründen selber. Dann geht es ans kochen und pürieren. Hier ein kleiner Tipp: niemals versuchen brühend heißes Gemüse im Mixi zu pürieren. Das hat die Küchenwand verschönert und mir die Brandblase meines Lebens verpasst. Immerhin ist die Suppe lecker. Kurz vor Beginn der Feier sind wir noch im Stress: Es müssen noch Bänder an unsere Masken gebunden, passende halloweenige Lieder rausgesucht und Süßigkeiten in die Luftballons gefüllt werden. Und plötzlich ist es viertel vor sieben und der Essenssaal ist noch nicht ansatzweise geschmückt. Panik breitet sich aus. Dankenswerterweise helfen uns die drei Lehrerinnen und um kurz nach sieben sind wir tatsächlich fertig. Aber wo sind denn alle? Die Lehrerinnen und Nonnen haben sich zu einer Besprechung zurückgezogen, die dritte Lehrerin schaut mit den Kindern fern. Und sie wollen einfach nicht kommen. Die Besprechung muss jetzt sein und die Lehrerin vor dem Fernseher sagt sie will nur noch fünf Minuten weiter schauen anstatt jetzt zu kommen. Dabei haben wir (aus Erfahrung handelnd) die Feier frühzeitig angekündigt und alle dreimal am Tag daran erinnert. Also nehmen wir die Sache in und die Kinder an die Hand und scheuchen sie in den Essenssaal. Die Kinder merken schnell, dass es sich gelohnt hat, den Fernseher hinter sich zu lassen. Sie lieben ihre selbstgemachten Kürbis- und Fledermausmasken, und auch die halbe Stunde einfach nur rumtanzen und rumhüpfen bereitet ihnen eine große Freude. Und das macht auch uns glücklich. Die Kürbissuppe kommt ebenfalls gut an und die Süßigkeiten-Luftballons platzen zu lassen, ist sowieso der Hit. Damit die Kinder nach der fetten Party ein bisschen runterkommen (und verstehen, warum wir uns den ganzen Abend so komisch verhalten haben) gibt es noch ein kleines Lied mit Video zu Halloween. Unser Ohrwurm für die nächsten Tage ist damit auch vorprogrammiert: „Knock, knock, trick or treat who are you? I am a Ghost, I’m a little Ghost...“




[1] Kadu = Kürbis in Hindi



Basteln, basteln, basteln
Wir gehen in die Geister-Massenproduktion


Der feierlich geschmückte Essenssaal

Hier sieht man auch die Winterklamotten der Kinder, es ist nämlich KALT bei uns!
Nicht nur die Kinder fanden die Masken super

Tausend Lichter in der Nacht



Knall! Krach! Feuerfunken! Rauch! Ein Feuerball fliegt knapp vor deiner Nase vorbei.
Wir befinden uns in Indien am 19. Oktober 2017. Doch was geschieht? Hier wird nicht etwa Silvester zwei Monate zu früh gefeiert, nein es handelt sich um Deepavali, das indische Lichterfest. Es ist eines der größten hinduistischen Festivals, und etwa so wichtig wie Weihnachten für Christen. Gefeiert wird, dass Rama, ein Hindu Gott, nach seinem Sieg über einen Dämon in seine Heimatstadt zurück kehrt. Um ihm den Weg zu leiten und ihn Willkommen zu heißen, werden überall Lichter angezündet.
In Süd Indien sieht man allerdings eine andere Legende hinter den Feierlichkeiten und sie finden einen Tag früher statt.

Ein paar von euch haben vielleicht schon von Diwali gehört und wundern sich warum ich von Deepavali schreibe. So ging es uns auch! Der eigentliche Name des Festes ist Deepavali, doch wenn man es schnell ausspricht, wird es zu Diwali und mittlerweile hat sich dieser Name auch durchgesetzt. Unsere christlichen Nonnen bleiben jedoch bei Deepavali, wie sie es früher in der Schule gelernt haben.

"Diwali mitten in der Pampa in einer christlichen Einrichtung, das kann ja lustig werden", war unser erster Gedanke. Deshalb erwähnten wir das Thema natürlich ohne Hintergedanken, ganz zufällig gegenüber einer netten Lehrerin. Wie es der Zufall so wollte lud sie uns für Diwali zu ihrer Familie ein.
Pläne setzten sich hier allerdings nicht immer in die Wirklichkeit um, und so befanden wir uns schick gemacht und mit Gastgeschenk in der Hand am Diwali Abend immer noch in Asha Deep. Wir hatten keine genaue Zeit ausgemacht und konnten die Lehrerin einfach nicht erreichten. Das hieß, wir blieben. Es stellte sich heraus, dass das Schicksal es doch nicht so böse mit uns meinte. Nach dem Rosenkranz beten im benachbarten Zentrum für schwer behinderte Kinder wurden ein paar Raketen angezündet.

Anschließend ging es zum Essen zurück nach Ascha Deep. Wir dachten schon das wäre alles, doch da hatten wir uns geirrt. Eine regelrechte Feuerschlacht wartete auf uns. Romantische Kerzen reichen den Indern nicht aus, man lässt es hier richtig krachen. In Delhi und anderen Distrikten wurden fortschrittlich Feuerwerksartikel zum Schutz der Umwelt verboten. Trotzdem waren wir Froh, dass es bei uns nicht so war. Hier ging es wie erwähnt richtig zur Sache. Die meisten Kinder waren zwar nach Hause gefahren aber ein paar Priester, Nonnen, Kinder und Familien der christlichen Wohnsiedlung und vom Gelände waren zusammengekommen. Es gab Riesenwunderkerzen, extrem laute Böller, Funkenbäume, Raketen und Feuerkreisel die wild durch die Gegend gekickt wurden. Alles mögliche flog durch die Luft und zwischendrin wuselten viele kleine Kinder mit Wunderkerzen.




Ich hatte Angst dass Haus und Haare in Flammen aufgehen und wir waren daran nicht ganz unschuldig. Aus Mangel an Teelichtern, hatten wir in unsere zuvor mit den Kindern in Feinstarbeit angefertigten Lampions, richtige Kerzen gesteckt, die nach einiger Zeit nicht erloschen, sondern die Lampions in brannt setzten. Als wir es satt hatten die Kinder von den Lampions fernzuhalten pusteten wir sie, nach dem wir reichlich Komplimente eingeheimst hatten, doch aus.

Um den Abend abzurunden gab es nach diesem Feuerspektakel noch leckeres Essen und später dekorierten wir auch unser Haus mit vielen Kerzen.

Dienstag, 31. Oktober 2017

Süd Nord, Nord Süd

Vor ein paar Tagen habe ich zufällig den Blog von den vier indischen Freiwilligen gefunden, die gerade in Deutschland sind. Mit großem Interesse hab ich angefangen die Artikel zu lesen und fand es sehr lustig, wie sehr sich ihre Erlebnisse doch mit den meinen in Indien ähneln.

Aiswarya zum Beispiel schreibt darüber, wie geschockt sie am Anfang war, dass Deutsche nur Klopapier benutzen, sich jetzt aber damit abgefunden hat. Auf der anderen Seite gehen wir seit Wochen ohne Papier und nur mit Wasser aufs Klo, was für mich am Anfang auch undenkbar war.

Für Evelin, die ihren Freiwilligendienst in einem Kindergarten macht, war eines der ersten und trotzdem meistgebrauchten deutschen Wörter „Nein“, genauso wie wir am Anfang mit den Kindern hier nur durch „Bas“ (genug) und „Nahi“ (Nein) kommuniziert haben.

Shilpa, Aiswarya, Abilash und Evelin sind die zweite Generation indische Freiwillige, die mit dem Süd-Nord Programm von weltwärts und der Karl Kübel Stiftung nach Deutschland gekommen sind.

Das Süd-Nord Programm bietet jungen Menschen aus Ländern des globalen Südens die Möglichkeit einen Freiwilligendienst in Deutschland zu machen und soll damit die Gleichheit des globalen Nordens und Südens im weltwärts Programm fördern.

Der Blog der vier ist https://wefournomads.blogspot.com und ich kann ihn nur empfehlen. Es ist immer spannend, sein Land aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.